„Besucherritze“ Mangel des Betts?

Sachverhalt:

Ein Ehepaar kaufte ein neues Boxspringbett für rund 1500 EUR. Sie waren nicht zufrieden. Das Bett schwinge derart, dass man ständig heraus oder in die „leidige Besucherritze“ falle. Sogar das Liebesleben der beiden sei betroffen. Sie wollten daher das Bett nicht mehr und ihr Geld zurück.

In I. Instanz verlor das Ehepaar den Prozess. Das Gericht war der Meinung, das Bett sei in einwandfreiem Zustand und habe keinen Mangel.

Das Ehepaar war damit nicht zufrieden und legte gegen das Urteil Rechtsmittel ein.

In II. Instanz hatte das Landgericht Düsseldorf zu entscheiden.

LG Düsseldorf Urt. v. 09.05.2019, Az. 19 S 105/17

Das Gericht nahm die Sache ernst und bestellte einen Polstereimeister als Sachverständigen zum Probeliegen. Seine Einschätzung dürfte das Ehepaar wohl sicher überrascht haben. Denn die Liegeprobe des Profis hatte „auch bei teils heftigen Bewegungen ergeben, dass die Matratzen zwar leicht schwingen, aber in ihrer Position verbleiben und nicht verrutschen“.

Das Gericht entschied

Wenn bei einem Boxspringbett die zwei getrennten Matratzen beim Liegen in der Bettmitte auseinanderdriften und so eine „Besucherritze“ bilden, ist das konstruktiv bedingt und stellt keinen Mangel dar. Es liege auf der Hand, dass eine Matratze in einem Bettkasten besser gegen Verrutschen gesichert ist als bei dem ausgewählten Boxspringbett. Das leichte Schwingen der Matratze und die „Besucherritze“ seien vielmehr ein Nachteil, der hingenommen werden müsse, wenn man sich für ein Bett ohne Bettkasten entscheide, und werde im Übrigen dadurch aufgewogen, dass der fehlende Bettkasten auch dazu führe, dass der Seiteneinstieg wesentlich erleichtert werde.

Zu den negativen Auswirkungen des Betts auf das Liebesleben des Ehepaars äußerte sich das Gericht dann nicht mehr. Denn jedenfalls zum Schlafen, „als seinem eigentlichen Zweck“, sei das Bett bestens geeignet.

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