Erbschaft und Pflichtteil

von Rechtsanwalt Ammer

Wer seine Vermögensangelegenheiten für die Zeit nach dem Tod durch eine letztwillige Verfügung regelt, greift damit meist in die gesetzliche Erbfolge ein.

Was bedeutet gesetzliche Erbfolge?

Beispiel: Ein Ehepaar, im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet, hat ein gemeinsames Kind.

Stirbt nun ein Ehepartner bekommt der überlebende Ehepartner und das Kind nach der gesetzlichen Erbfolge das Erbe des Verstorbenen jeweils zur Hälfte, somit zu einer Erbquote von jeweils 50 %.

Besteht nun aber eine letztwillige Verfügung ( Testament ), in dem sich die Ehepartner gegenseitig zu Alleinerben einsetzen, wird beim Todesfall eines Ehepartners das Kind kein Erbe mehr, der überlebende Ehepartner bekommt alles. Durch die letztwillige Verfügung wurde also in die gesetzliche Erbfolge eingegriffen. Das Kind wurde damit von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen.

Hierfür greift nun das sog. Pflichtteilsrecht.

Der Pflichtteil ist rechnerisch die Hälfte des gesetzlichen Erbteiles. Es handelt sich um einen rein zivilrechtlichen Anspruch gegen den / die Erben und muß innerhalb einer gesetzlich bestimmten Frist geltend gemacht werden. Um den Pflichtteil berechnen zu können besteht gegenüber den Erben ein Auskunftsanspruch der, falls notwendig, auch gerichtlich durchgesetzt werden kann.

Da der Pflichtteilsberechtigte kein Erbe ist hat er weder mit der Grabpflege noch mit Nachlassgläubigern oder Erbschaftssteuer etwas zu tun.

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